Oh, wie schön ist Panama

Es waren einmal zwei Läufer, die lebten in einer schönen Stadt und sie hatten viele Träume…

Als letzten gemeinsamen langen Vorbereitungslauf für das SPINE RACE vom 15. bis 22. Januar 2017 in England hatten Michael Groth und ich noch eine finale Herausforderung in unserer Nähe gesucht und uns für die “Route um Oldenburg”  entschieden.

Es handelt sich hierbei um eine zirka 100 Kilometer lange, von der Stadt Oldenburg beworbene Strecke, welche mit dem Fahrrad in einer oder mehreren Etappen absolviert werden kann. Ein Track für das GPS-Gerät kann sich im Internet heruntergeladen werden, eine Karte kann in jeder Buchhandlung gekauft werden.

Zitat: “Auf der 100 Kilometer langen Route werden Sie durch die Wesermarsch, den Naturpark Wildeshauser Geest und die Ammerländer Parklandschaft um Oldenburg herum geführt. Radeln Sie vorbei an Getreidefeldern, Wallhecken und Deichen, durch schattige Wälder, Wiesen und Weiden, weite Moorgebiete und lebendige Orte.” Dies mag wohl stimmen, dafür sollte man die Strecke aber tagsüber und nicht im Winter absolvieren.

Schnell entstand daraus die Idee der 1. Hard ROC 100 “Rund um Oldenburg Challenge”, natürlich nonstop. Nach einigen Nachfragen in der Ultraszene Oldenburgs wurde mit Tammo Seemann auch der obligatorische dritte Läufer gefunden. Leider musste dieser kurzfristig berufsbedingt absagen.

Am 17.12. ging es dann um 18.15 Uhr in Etzhorn im gemütlichen Marathontempo Richtung Elsfleth los. Als Ausrüstung hatten wir einen Laufrucksack mit 7 Kilogramm Ausrüstungsgegenständen wie Schlafsack, Isomatte, Kocher, Wechseljacke, Biwak, 2 Liter Wasser, Riegeln und GPS-Gerät dabei. Da wir in England auch sehr viel gehen werden, hatten wir uns für den Anfang auf regelmäßige Tempowechsel geeinigt. Auf 45 Minuten Laufen folgten 15 Minuten sehr schnelles Gehen, gleichzeitig wurde darauf geachtet, dass in dieser Zeit genügend Flüssigkeit zu sich genommen wurde, da dies in dieser Jahreszeit leicht vernachlässigt wird, was fatale Folgen haben kann.

So erreichten wir über Nordermoor und Loy nach 30 Kilometern, beziehungsweise 4 Stunden Rastede und machten uns weiter auf den Weg über Bokel nach Wehnen, wo bei Kilometer 48 die erste Verpflegungsstelle  war. Dort hatte Michael tagsüber an einer Bushaltestelle drei Liter Wasser deponiert, welche wir inzwischen auch dringend benötigten. Aufgrund der “milden” Temperaturen von 6 Grad hatten wir doch unerwarteten Flüssigkeitsverlust.

Nach kurzer Rast, bei der noch einige Kleidungsstücke korrigiert wurden, ging es über Frierichsfehn, Achternmeer und Wardenburg zu unserer nächsten Wasserstelle. Aufgrund kommender Müdigkeit hatte sich unser Tempo inzwischen verlangsamt und wir erreichten nach 78 Kilometern um 6.30 Uhr des Folgetages Sandkrug. Besonders ich hatte diese kleine Pause auch bitter nötig, da die letzten knapp zehn Kilometer von Wardenburg nach Sandkrug echt eine Qual gewesen waren.

Erfrischt von der Pause ging es dann nach der zirka 10-minütigen Pause weiter Richtung Hemmelsberg und “Sonnenaufgang”. Sechs Kilometer später überkam jetzt Michael eine unüberwindbare Müdigkeit, so dass wir in einem Bushaltehäuschen noch einmal ein Power Nap über fünf Minuten einlegten. Wir hatten schon im Harz, und Michael auch schon bei anderen Ultraläufen, die Erfahrung gemacht, dass solche Kurzschlafphasen waren Wunder bewirken.

Bei Tageslicht und nach 15 Stunden erreichten wir Wüsting und liefen weiter Richtung Hunte. Gerade die dann folgenden letzten 15 Kilometer machten uns sehr zu schaffen. Wir waren inzwischen sehr erschöpft, es tat fast alles weh und zum Überdruss befanden wir uns inzwischen in unserem anvertrauten Laufgebiet, was bedeutete, dass wir jede Ecke, jeden Teich, jeden Zaun,  jeden Baum, jeden Stein, jedes Schaf, jede Ziege und besonders jede Entfernungsmarke Richtung Heimat kannten. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verzichteten wir auf auf unser geplantes Biwak an der Hunte.

Über die Huntebrücke kommend hatten wir dann nach 17 Stunden, 40 Minuten und 4 Sekunden endlich wieder unseren Start-Zielpunkt erreicht.

Der 1. Hard ROC 100 war gefinished!

Die Route um Oldenburg ist zwar ein Lauf mit wenigen Höhenmetern, als einfachen Lauf würde ich ihn aber nicht bezeichnen, da er gerade in dieser Jahreszeit wenig Abwechslung bietet und einen mental zu höchst fordert.

Im Sommer ist es aber bestimmt eine schöne Strecke, die natürlich auch in mehreren Etappen gelaufen oder gefahren werden kann. Mich hat erstaunt, wie nah die mir bekannten Orte der Umgebung oft zueinander liegen, wieviele Wälder es im Oldenburger Umland gibt und wieviele Landgastätten/Dorfkneipen noch auf dem Lande betrieben werden. Dies fällt einem natürlich besonders Samstag nachts in der Vorweihnachtszeit auf.

Witzig war, dass man oft wie ein Allien betrachtet wird und für Gesprächsstoff sorgt, wenn man bei Tages- und Nachtzeit in voller Laufmontur durch die Landschaft läuft.

Seinen Trainingseffekt hat der Lauf aber in allen Belangen erfüllt. Wir konnten unser Material noch einmal richtig testen und haben doch noch einige Fehler entdeckt. Gleichzeitig haben wieder einmal gemerkt, wie gut Michael und ich aufeinander abgestimmt sind. Gerade in Phasen, in denen es dem einen schlecht ging hat der andere es geschafft ihn wieder aufzubauen. Diese mentale Tiefpunkte, gepaart mit wahrscheinlich körperlichen Beschwerden werden uns auf den 430 Kilometern durch England des öfteren begegnen.

Wer will kann uns unter folgendem Link begleiten: spine.opentracking.co.uk

 

Die Antwort auf die Frage, ob ich die Route um Oldenburg noch einmal laufen würde überlasse ich dem guten Janosch:

“Du meinst, dann hätten wir doch gleich zu Hause bleiben können? Du meinst, dann hätten sie sich den weiten Weg gespart?

O nein, denn sie hätten nicht den Fuchs nicht getroffen und die Krähe nicht. Und sie hätten den Hasen und den Igel nicht getroffen und sie hätten nie erfahren, wie gemütlich so ein schönes, weiches Sofa aus Plüsch ist.”

 

Zur Werkzeugleiste springen