Immer wieder Wellen

Als ich mich am 2. August 2015 auf den Weg nach Wellen bei Beverstedt machte, ahnte ich noch nicht, dass dieser Lauf einmal zu meinen Lieblingslaufveranstaltungen zählen würde. Er lag damals einfach günstig im Kalender und diente als Vorbereitung auf den Berlin Marathon acht Wochen später.

Schon die Startzeit am Sonntag um kurz nach 8 Uhr sorgte nicht grade für Begeisterung, schließlich fährt man von Oldenburg ja noch eine gute Stunde dorthin. Der Lauf selbst überraschte mich dann aber positiv. Bei dem kleinen Teilnehmerfeld von ca. 80 Startern beim Halbmarathon kam ich sofort mit anderen Läufern ins Gespräch. Über die Jahre ist die Zahl der Teilnehmer leicht rückläufig, in diesem Jahr sind 64 Läufer beim Halbmarathon und 32 beim Marathon ins Ziel gekommen. Im nächsten Jahr findet übrigens schon die 50. Ausgabe dieser Veranstaltung statt, damit ist der Wellen Marathon tatsächlich der älteste noch stattfindende Marathon in Niedersachsen und bundesweit der viertälteste. Zwei kleine Begebenheiten aus dem Jahr 2017 zeigen, dass dieser Lauf wirklich besonders ist. Beim Abholen der Startunterlagen bekam ich 7 Euro zurück, weil ich mich per Mail vom Marathon auf den Halben umgemeldet habe. “Du hast ja zu viel bezahlt” hieß es. Keine Bearbeitungsgebühr wie bei anderen Laufveranstaltungen, das gefiel mir wirklich sehr. Auf der Strecke sprach ich dann einen Läufer aus Bremerhaven an, den ich verwundert fragte, warum er hier läuft, schließlich fand am selben Tag der Bremerhaven Marathon vor seiner Haustür statt. Seine einfache Antwort: “Wellen geht natürlich vor, das ist doch klar”, ich konnte ihn gut verstehen.

Aber nun zurück zum Lauf in diesem Jahr. Termin war wie jedes Jahr der erste Sonntag im August. Auch dieses Mal war alles gut organisiert. Nachdem die Marathonis um 8:00 Uhr auf die Strecke geschickt wurden, sind wir um 8:20 Uhr gestartet. Direkt nach einem Kilometer kam ich dann mit einer Läuferin ins Gespräch. Tanja Rönner vom TSV Heerstedt peilte wie ich einen 6er Schnitt an, sodass wir prima zusammen laufen konnten. Nach Kilometer 9 trennten sich dann aber unsere Wege und ich war allein auf weiter Flur. Dennoch konnte ich den Lauf genießen, der rund um Wellen verläuft und tatsächlich ein welliges Profil hat.
Dem einen oder anderen Läufer begegnete ich dann doch noch, Ole aus Wellen freute sich so über mein Notfall Gel, dass er offensichtlich dringender brauchte als ich. Nach gut zwei Stunden erreichte ich das Ziel und bekam wie jedes Jahr einen Pokal überreicht. Einen Pokal? Mit der Zeit? Ja, das ist eine weitere Besonderheit dieses Laufes, dass es für die die Läufer auf Wunsch einen Teilnehmerpokal gibt. Für mich als “Mittelfeldläufer” jedes Jahr eine schöne Erinnerung.

Aber das war es immer noch nicht mit den Besonderheiten dieses Laufes. Die Urkunde kommt hier nämlich nicht aus dem Drucker, sondern wird von Antje Mehrtens, übrigens die Mutter von “Gel-Ole”, eigens mit der Schreibmaschine erstellt. Das kostet zwar drei Euro extra, aber dennoch stelle ich mich jedes Jahr gerne in die Schlange, um mich für diese Urkunde anzustellen.

Das dieser Lauf wirklich besonders ist, hat sich auch bis zu “Buten un Binnen” herumgesprochen, hier der Link zum Bericht auf YouTube:

Vielleicht kommen ja zum Jubiläum im nächsten Jahr einige von euch mit nach Wellen, um die diese Lücke in eurer Laufhistorie endlich zu schließen. Und wer weiß, möglicherweise heißt es für euch dann auch: Einmal Wellen – immer Wellen!

Start und Ziel in Wellen
Antje Mehrtens bei der Arbeit
Die fertige Urkunde
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